Was das Nähen in uns bewirkt

Was das Nähen in uns bewirkt

Es gibt sie. Die heilenden Momente, wenn die Nähmaschine rattert. Dieses Ritual, wenn das Kleidungsstück geplant, genäht oder fertiggestellt wird. Egal welche tollen Nähstiche wir nutzen, welche teure oder billige Nähmaschine wir haben oder für wen wir nähen. Ich zeige dir, wie das Nähen verändert und was es in uns bewirkt.

Konsum hinterfragen

Wie viel Kleidungsstücke besitzt du? Ich habe meine ehrlich gesagt nie gezählt, aber ich denke, über hundert Stück werden sich in meinem Schrank schon tummeln. Nach meiner Ausbildung ging ich oft und gerne bummeln. Dementsprechend sammelte ich Souvenirs in meinem Kleiderschrank.

Viele zog ich nie an, einige liebe ich bis heute sehr. Doch ihre Zahl kann man an einer Hand abzählen. Als ich mit dem Nähen anfing, habe ich mir nie Gedanken über die Anzahl der Arbeitsschritte, die Kosten der Stoffe, geschweige denn der Arbeitsstunden gemacht. Kaufen ist so einfach, konsumieren noch einfacher und nicht darüber nachdenken… ich glaube, es gibt jetzt keine Steigerung mehr.

Mit dem Nähbeginn waren mir all diese Gedanken auf einmal bewusst und vor allem nachfühlbar. Ich konnte Stunden, Zeit und Kontoabbuchungen für Stoffkäufe messen. Shopping fühlte sich plötzlich so falsch an.

Qualität schätzen lernen

Und dann brauchte ich doch mal wieder etwas, was nicht selbst genäht war. Es war eine Bluse für ein Bewerbungsgespräch. Gefundene Schnittmuster gingen weit über mein Können hinaus und zu einem Bewerbungsgespräch will man ja perfekt aussehen. So sehen meine selbst genähten Werke in meinen Augen bis heute nicht aus. Auch wenn das Lob von außen, etwas anderes sagt.

Also steht man im Geschäft. Man kennt auf einmal alle Schwächen von Passform, Schnittmustern und Stoffarten. Die Blusen sahen von weitem auf dem Bügel alle toll aus. Aber mit Nähsuchtaugen durfte man sie nicht anschauen. Nicht abgeschnittene Fäden, lockere oder aufgehende Overlocknähte- alles schien sich an den Kleidungsstücken zu sammeln und irgendwie waren sie nicht mehr gut genug für mich. Es war ein Graus. Ich kaufte zwar eine Bluse, aber der glückliche Maria Kondo- Effekt trat definitiv nicht ein.

Den eigenen Stil finden

In den Laden gehen, anprobieren, bezahlen, fertig. Kaufen ist so einfach, sodass ich den Aufwand für das Nähen von Anfang an unterschätzte.

Beim Nähen denkt man viel mehr darüber nach, was und wie man wirklich näht. Wenn der Nahttrenner nicht dein bester Freund ist, hast du ja nur einen Versuch. Also plant man Farbe, Schnitt und Stoffart, verwendet Stunden für das Zusammenkleben des Schnittmusters und sucht Internet oder Läden nach den richtigen Stoffen ab. All diese Schritte sind gut überlegt und angelegt auf lange Zeit. Denn die Arbeit möchte man ja nicht umsonst machen.

Mit dem Nähen fand ich erst die richtige Passform meiner Kleidungsstücke, die richtige Farben für meine Garderobe und lernte Kleidung wirklich schätzen.

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Nähen - es verändert dein Leben, deine Einstellung und deine Kleidung

One thought on “Was das Nähen in uns bewirkt

  1. Hallo , ich sammel alte Jeanshosen aus der Familie und von Arbeitskollegen. Für mich ist aus Alt Neu zu machen aus Jeans die heraus Forderungen pur. Ich kann dadurch voll abschalten und mich erholen. Am liebsten würde ich es den ganzen Tag machen ,aber ich muß auch arbeiten. Zu erst habe ich nur genäht , dann habe ich das Stricken mit Jeans angefangen . Und das ganze geht schon seid Jahren so. Ich kann mich damit ausleben.

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